alex roshé internal difference Bild: Alex Roshé
internal difference

kooio - Ort der Behauptung

16. - 18. 3. 2012
kunStart12, Kunstmesse Bozen

23. 3. - 13. 4.
kooio, Mariahilfstraße 40, Innsbruck
Eröffnung: 23.3. 19h
geöffnet mo 20 - 22h, di - fr 16 - 19h

 

Ausstellungskonzept: Jeannot Schwartz

Teilnehmende KünstlerInnen:

Objekte: Roland Albrecht . Ursula Beiler . Jana Bereiter . cunst&co . Hermann Graber . Mario Grubisic . Harischa . Heidi Holleis . Lazi Fazi . Michaela Niederkircher . Joanna-Sabina Pisanska .
Kerstin Rajnar_frau mag rosa pink . Maria Rauch . Werner Richter .
Alex Roshé . Nora Schöpfer . Jeannot Schwartz. . Syl Via . Daniela Maria Span . Christiane Spatt . Simone Thurner . Der Überlebende . Maria Vill .
Jutta-Maria Walter . Bernhard Wieser . Monica Wittib . Gruppe Wildwuchs . Tom Zabel . Haydar Zeki . Roland Zorbach

Performances: Ursula Beiler . Rene Nuderscher . Werner Richter

Jeannot Schwartz, Konzept:

kooio mit Ort der Behauptung auf der Kunstmesse 2012 in Bozen

Das 2009 gegründete kooio . forum für kunst und kommunikation nimmt erstmals an einer Kunstmesse teil. 

kooio versteht sich als ein Schritt in die Richtung, in der Künstlerinnen die Organisation von Kunst als Teil ihrer Kunst begreifen.

Mit dem Ausstellungsformat ORT DER BEHAUPTUNG an der Bozner Kunstmesse unternimmt kooio den Versuch, Kunstbehauptung nicht nur wirtschaftlich, sondern auch begrifflich, d.h. am Ort seiner physischen Äquivalenz zu befragen.

Das Konzept hat eine Carte blanche an alle KünsterInnen und darüber hinaus an ALLE , die die Beuys'sche Kunstbehauptung befürworten, erlaubt. Die Exponate der Ausstellung sind Beiträge von Kunst-Profis und Kunst-Amateuren. Sie wurden nicht selektiert, alle eingereichten Arbeiten wurden aufgenommen, und werden ausgestellt.

Kunst existiert nur in Form von Behauptung. 

Kunst ist Behauptungskunst-Kunstbehauptung. Am Kunstmarkt bewertet der Handel Kunstbehauptungen und bildet damit Credibilität, Glaubwürdigkeit. 
Behauptung ist zugleich auch reale soziale Handlung. Auf der Messe wird diese soziale Handlung erprobt. Der Besucher ist eingeladen sich als Sockel für Kunst zur Verfügung zu stellen. Er erfährt im Gegegenzug die elementare Grundlage von Kunst, nämlich ohne Gewissheit auskommen zu müssen.
Für diese Erprobung wurden Anbindungsstücke geschaffen, welche Sockelfunktion erfüllen und zusätzlich erlauben, Kunst-Gegenstände über dem Haupt zu tragen. Der Träger mutiert dabei zum lebenden Sockel für Kunst. Er kann die von ihm getragene Kunst selbst nicht sehen, wird aber vom Anderen in dieser Verbindung gesehen.

Dieses situative Moment des Prekären soll in Erfahrung gebracht werden. 

Alle eingereichten Arbeiten befinden sich im Messestand. Die teilnehmenden KünstlerInnen, und auch Messebesucher können diese Kunst-Gegenstände dort ausborgen, aufsetzen und den Behauptungcharakter der Exponate auf sich wirken lassen, sich im Messepublikum als lebende Sockel für Kunst bewegen, neue bewegte Ausstellungen konfigurieren, sich selbst fotografieren, Bereitschaft zu Trägerfunktionen für Kunst demonstrieren und Diskussion provozieren.

Grundlagen der Erprobung Ort der Behauptung ist das Buch Behauptungsphilosophie von Marcus Steinweg Merve Verlag Berlin 2006

und eine Ausstellung/Erprobung von Jeannot Schwartz unter demselben Titei, kooio 2010. Während die Behauptungsstücke damals eine auf das Haupt gewölbte Standfläche hatten, direkt am Kopf getragen werden konnten übernehmen Anbindungsstücke, ein Sockel als Ausstellungsfläche, diese Funktion.

Die Erprobung versteht sich als ein visuelles Projekt zu Behauptung.

Weder in der Philosophie, noch in der Kunst geht es um Beweis oder Meinung. Es geht um eine Setzung, um Behauptung. Die Behauptung unterscheidet vom Beweis und der Meinung, dass sie ohne Gewissheit auskommen muss. Behauptungsphilosophie ist Philosophie im Ungewissen. Sie überschreitet die Modalitäten herkömmlichen Denkens, wie Reflexion, Begründung, Kritik und Argument. Es geht darum, als Subjekt im Ungewissen eine Wahrheit zu berühren und dieser Berührung eine Form zu geben, Sprache. (Steinweg)


links:
Website Jeannot Schwartz
Ort der Behauptung, Jeannot Schwartz, kooio 2010
Carte blanche zur Teilnahme an der Kunstmesse Bozen

 

Rene Nuderscher über Kunst und Behauptung

Ausgehend von der These, nach der jede Kunst eine Behauptung ist, unternimmt kooio mit Jeannot Schwartz die zuerst seltsam anmutende und dann bei theoretischer Überlegung konsistente Strategie der Kunsterfahrung/Präsentation. Die eingereichten Kunstexponate erlauben Ihnen, über die reine Betrachtung hinaus, eine ungewohnte physische Erfahrung mit und Erprobung von Kunst.

Ein auf dem Haupt Getragenes – es wurden dafür spezielle Sockelvorrichtungen erarbeitet – verlängert den Träger auf seiner Körperachse. Er mutiert dabei zum lebenden Sockel für Kunst - außerdem kann er die von ihm getragene Kunst selbst nicht sehen, wird aber vom Anderen in dieser neuartigen Rolle wahrgenommen. Wie im Zitat bereits erwähnt, ist Behauptungen zu Eigen, dass sie ohne Gewissheit auskommen müssen - es sind ihnen automatisch offene Fragestellungen inhärent. Aufgrund dieser Kunstauffassung ist der Anspruch suspendiert, das Wahreim Sinne eines Allgemeingültigen abzubilden, denn Kunst als Behauptung, muss bedeuteten auch die Singularität/Subjektivität/Perspektivität zu behaupten. Dieses situative Moment des Prekären soll in Erfahrung gebracht werden.
Das Ausstellungsformat spricht eine Einladung an alle Besucher aus, sich auf eine Arbeit einzulassen. Diese Einladung ist auch eine Zumutung, sich zusammen mit der Kunst auf einen Weg ins Ungewisse zu begeben.

Das Ausstellungsformat soll aber zusätzlich ein subversives Statement, adressiert an die Kunstwelt mit ihrem Wirtschaftsdiktat darstellen. Indem die Werke nicht mehr nach den üblichen Kriterien der Territorialität u. Verortung etabliert werden, wird hier die Frage nach dem Prekären und Besitz gestellt. Differenzen zwischen Künstler, Objekt und Rezipient werden reorganisiert und im Akt der körperlichen Symbiose fragwürdig.


Ausgestellte Objekte:

Roland Albrecht
Wer denn nicht so alles auf meinem Kopf herum tanzt
€ 500.-

Ursula Beiler
Göttin Krone
€ 100.-

Jana Bereiter
Luft
€ 400.-

cunst&co.
untragbare Behauptung
€ 400.-

Hermann Graber
Ultimo
€ 500.-

Mario Grubisic
DVD + Haus
€ 750.-

Harischa
Behauptung Innsbruck…
€ 500.-

Heidi Holleis
Harpyen
7Harpyien je € 300.-

Lazi Fazi
Behaup-Dung
love is in the air
sex is liquid
€ 350.-

Michaela Niederkircher
kon
€ 1500.-

Joanna-Sabina Pisanska
Klappbild
€ 2000.-

Kerstin Rajnar_frau mag rosa pink
trä̲nenReich [ˈtrɛːnənra͜iç]
siehe Preisangabe

Maria Rauch
Imagination
€ 400.-

Werner Richter
Bürger-In-Bewegung
€ 500.-

Alex Roshé
internal difference
€ 1100.-

Nora Schöpfer
who am I?
je 300.-

Jeannot Schwartz
Behauptung (Instrument Modell)
4 in Mahagoni a € 500.-
4 in Zirbenholz a € 450.-

Syl Via
Butoh
unverkäuflich

Daniela Maria Span
der Kuss
unverkäuflich

Christiane Spatt
The winning side
€ 400.-

Simone Thurner
Meine roten Schuhe
€ 2000.-

Der Überlebende - il sopravvissuto
solo divertimento - nur Vergnügen
€ 333.-

Maria Vill
ohne Titel
€ 700.-

Jutta-Maria Walter
Gestrüpp
€ 600.-

Jürgen Weigl
alles Spinner
€ 999.-

Bernhard Wieser
Selbstportrait 1995
Ziegelton, 7cm x 9cm x 12cm
€ 1.100.-

Monica Wittib
Rabenflugjahre
€ 200.-

Gruppe Wildwuchs
Kunst als Heilungsprozess als Behauptung
€ 200.-

Tom Zabel
Ich behaupte nichts
€ 400.-

Don Quichotte (Haydar Zeki)
Träger des schweren Krieges
€ 70.-

Roland Zorbach
das Maß?
€ 144 000.-