trä̲nenReich [ˈtrɛːnənra͜iç]

Kerstin Rajnar_frau mag rosa pink

english text


"Jeder Mensch ist ein Künstler, der in kreativer Weise an seiner persönlichen Entwicklung und an der Entwicklung seiner Umwelt arbeitet."
(Joseph Heinrich Beuys 1921 - 1986)

Obiges Zitat beschreibt grundsätzlich die Form des/der LebenskünstlerIn.

"Lebenskunst ist die Kunst, die eigene Unvollkommenheit als kreative Quelle zu erkennen und zu nutzen. Wenn darüber hinaus auftretende Krankheiten und Schicksalsschläge eine Chance haben, dass sich der Mensch seiner Situation bewusst wird und sich wandelt, dann kann auch Möglichkeit von Heilung bestehen. Dieser Wandlungsprozess mit dem bewussten Annehmen und Einverstandensein der eigenen Unvollkommenheit als Mensch öffnet Tore zu einer umfassenden, kreativen Intelligenz und Schöpferkraft, wenn sie authentisch ausgedrückt wird. Authentischer kreativer Selbstausdruck, sei es in Wort, Bewegung/Tanz, beim Malen, Singen, Lieben und allgemein im Leben, hat ein Potential, das sich auf allen beruflichen und persönlichen Ebenen förderlich und auch heilend auswirken kann. Diese kreative Form der Lebenskunst ermöglicht es, den eigenen Code und die eigene Identität zu finden/definieren."
(aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Lebenskunst)

Die Auseinandersetzung mit dem Ich durch Selbstanalysen und -spiegelungen mit dem Außen, kann Mensch in ungeahnte Klüfte des Unterbewusstseins führen, tiefe Erkenntnisse und daraus mögliches resultierendes inneres Leid offenlegen. Im künstlerischen Schaffensprozess dringen Kunstschaffende meist bewusst aber auch nicht selten unterbewusst, in ihre subjektiven oder gar objektive Abgründe vor. Häufig erfahren sie dadurch persönliches Leid.

Das Projekt trä̲nenReich [ˈtrɛːnənra͜iç] ist als symbolisches Statement für dieses Leid zu verstehen. Es beleuchtet jedoch zugleich, dass nicht die persönliche Konfrontation mit sich selbst Leid hervorrufen kann, sondern auch die mehrheitlich prekäre gesellschaftliche Stellung der Kunstschaffenden.

Einer Studie des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (2008) zufolge fühlen sich weit über der Hälfte der KünstlerInnen stark belastet. Monetäre Dauerkrisen (2008 lagen die Personengruppen mit rund 1.000 Euro pro Monat nur knapp über der Armutsgefährdungsgrenze) aber auch Mangel an Anerkennung, beruflicher Druck, Arbeitsüberlastung und Doppelbeschäftigungen mindern das Wohlbefinden kunstschaffender Personen.
(aus: http://www.bmukk.gv.at/medienpool/17401/studie_soz_lage_kuenstler_en.pdf)

Schließlich stehen viele KünstlerInnen unter einer Dauerbelastungen, die seelisches sowie auch körperliches Leid hervorrufen kann

Müssen KünstlerInnen leiden?

Beuys behauptet Leid sei der Anfang der Kreativität. Das Leiden, "[...] eine ganz wichtige Art der Hervorbringung
[...]" unterscheidet die schöpferische Aktivität des Menschen in das Tun und in das Erleiden und bestimmt,
dass "[...] derjenige, der am Entschiedensten etwas erleidet, auch derjenige (ist), der am Entschiedensten
etwas schafft".
(aus: http://inga-ganzer.suite101.de/zeige-deine-wunde-das-leiden-bei-beuys-und-schopenhauer-a85570)

"Trage die Träne des Leids auf deinem Haupt und lass dich von deinem Unterbewussten inspirieren."
(Kerstin Rajnar_frau mag rosa pink, 1975-?)

Leid ist eine Grunderfahrung und beschreibt körperliche und seelische Belastungen. Diese können Nichterfüllung
von Bedürfnissen, Hoffnungen und Erwartungen, Verlust oder Trennung von nahestehenden Individuen, äußere
Zwänge, Alter, Krankheit, Tod und Schmerzen sein. Leid ist immer eine subjektive Erfahrung.
(aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Leid)

Eine offensive körperliche Reaktion für Leiden sind die Tränen.


Tränen schützen nicht nur die Augen, sondern verstehen sich auf emotionaler Ebene als Hilfeschrei, ein auf sich Aufmerksam machen. Es wird vermutet das Tränen mitunter auch einen körperlichen Hintergrund haben. Die Tränenflüssigkeit beinhaltet einen Stoff der als Art "Beruhigungsmittel" fungiert, und über die Haut und die
Augen vom Körper aufgenommen wird. Weiters scheidet der Mensch mit den Tränen Schadstoffe aus, die sich durch Stress und seelische Belastungen im Körper ansammeln. Eine Träne enthält Salze wie Calcium, Kalium und Mangan, aber auch Hormone. Das Gefühl der Erleichterung und Beruhigung, das viele Menschen nach dem Weinen verspüren, hat also vermutlich auch einen biologischen Hintergrund.
(aus: http://www.helles-koepfchen.de/warum-weinen-wir.html)

Das Projekt trä̲nenReich [ˈtrɛːnənra͜iç] ist ein individueller Ansatz, Leid öffentlichen nach-vollziehbar zu machen
und dieses nicht versteckt hinter verschlossenen Türen zu halten. Über mehrere Jahre verteilt wurden Tränen,
gesammelt und "archiviert". Ein Versuch Leid zu kompensieren, zu versinnbildlichen und sichtbar zu machen.


Foto: http://www.lederkram.de/

Kann Leid nun Kreativität fördern oder ist Leid lediglich eine Erlösung?

Zumindest kann Mensch nach einem leidvollen Prozess die daraus gewonnen Erkenntnisse
für sich selbst nutzen und gegebenfalls in einem künstlerischem Projekt veranschaulichen.

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tränenReich [ˈtrɛːnənra͜iç]
10ml Glasflaschen mit Korken || Tränen || Plexiglas
81 Stück Glasflaschen, Inhalt ca. 48,74ml Tränen
2011 – 2012
 
Preis: Bestimmen Sie den Wert des Kunstwerks!
Finanzieller Aufwand: 250,00 €
Arbeitsaufwand: 112 Stunden
Emotionaler Aufwand: nicht bewertbar, jedoch stark belastend
 
Weinflasche
10ml Glasflasche mit Korken || Tränen
1 Stück Glasflasche, Inhalt variiert von 0,3ml bis 1,53ml Tränen
2011 – 2012
 
Preis: Bestimmen Sie den Wert des Kunstwerks!
Finanzieller Aufwand: 3,20 €
Arbeitsaufwand: ca. 1,5 Stunden
Emotionaler Aufwand: nicht bewertbar, jedoch stark belastend
(Solange der Vorrat reicht)

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Kerstin Rajnar_frau mag rosa pink (1975)
Gesamtkünstlerin / lebt und arbeitet in Wien und Graz

Als wandelnde Marke "frau mag rosa pink" agiert die Künstlerin zwischen illustren, in rosa und pink gestalteten Welten und klar strukturieren kontextuellen Arbeiten. Aufgrund ihrer vielseitigen Ausbildungen beherrscht sie die konzeptionelle Herangehensweise gleichermaßen wie die ganzheitlich emotionale Exploration unterschiedlicher Thematiken. Egal ob sie ein Kinderbuch bebildert, für ein Computerspiel Illustrationen erstellt, Flyer für unterschiedliche Veranstaltungen mit ihrem Bleistift bearbeitet, Bühnenbilder konzipiert oder Animationen illustriert - wichtig ist immer das holistische Gesamtkonzept von Farbe, Form, Struktur und Inhalt.
Ebenso ist die Komposition von Formen, Gegenständen und Farben auf dem "Blatt Papier", im Raum oder am Screen genauso wichtig wie die semiotischen Prinzipien - die Betrachter sollen unterbewusst gelenkt werden.
Durch die einfach-reduzierte aber doch sehr markante Ausdrucksweise/Handschrift erzählt Kerstin Rajnar Geschichten - entweder ihre eigene oder die gerade aktuelle. Wichtig ist immer das Grundkonzept das dem Kunstwerk den Boden gibt.
Durch ihr technisches Know-How verfügt sie nicht nur über unterschiedliche Arbeitsstile sondern beherrscht auch die Verbindung der selbigen.
Kerstin Rajnar ist und bleibt eine treue Begleiterin der Farben Rosa und Pink - nicht nur in der Kunst sondern auch im privaten Raum.

http://rosa.mur.at