Warum Forschung?



Was ist wichtiger, die Analyse der Organisation oder die Organisation der Analyse?




IKKF, eine soziale Plastik

Ich verstehe Forschung als Überbegriff, der im weitesten Sinn auch Ordnen, Sehen, Aufnehmen umfaßt entgegen Expression, Produktion, Verteilung, Unordnung, die momentan in der Kunst vorherrschen. Es soll ein der Kunst des 20. Jahrhunderts gemäßes Gleichgewicht geschaffen werden. Das Zünglein an der Wage wäre Kontemplation, ein von vielen Künstlern ersehnter Zustand. Von der Forschung, einem theoretischen Ordnen, findet man leicht zur Organisation, einem Ordnen im realen Leben. Im praktischen Weg des in der Sache sein im Gegensatz zum beschreibenden entsteht natürlich ein Abbild in Lebensgröße. Die Kunstforschung enthält beide Wege, den beschreibenden und den prozessualen. Welcher der Hauptweg ist, welcher der Innere und welcher der Äußere, ist verschieden je nach Forschungsart und Richtung.

Kunstforschung ist eine künstlerische Form, die ihren Schwerpunkt mehr auf dem aufnehmenden, wahrnehmenden Teil einer Gesamthandlung hat, und jeder Wahrnehmungsakt ist, wenn auch nur minimal, ordnend. Ein Kunst- und ein Kunstforschungsprodukt können äußerlich nicht zu unterscheiden sein, aber es ergibt sich eine Konsequenz für den Umgang mit Kunstforschungs-, im Gegensatz zu Kunstprodukten. Sie sind inhaltlich aufzufassen, selbst wenn es sich um Formenspuren von Forschungen handelt. Sie sind meistens auf einem bestimmten Weg bis zum völligen Verständnis zu rekonstruieren. Sie wollen selten als Endlösungen verstanden werden. Natürlich gibt es alle Übergänge, es sind zwei Seiten einer Münze und selbst im Extremfall ist in einem Kunstwerk immer im Keim beides enthalten. Ein Kunstforscher bemüht sich darum, verstanden zu werden. Er wird dazu auch andere Medien benützen als des Hauptforschungsmedium. Das Hauptforschungsmedium kann unverständlich aussehen wie heutige Kunst, denn heutige Kunst ist oft Kunstforschung. Der durch sie führende Forschungsfaden sollte aber herausgearbeitet werden.



Maria Rauch, Innsbruck, Februar 1991