Als Kunst:



Die Institutionalisierung der Kunstforschung als Kunst als Kunstforschung als Kunstwerk - Konzept für eine Soziale Plastik




Als Kunstwerk gesehen soll die IKKF in der Welt real existieren und notwendige Zwecke erfüllen, z.B. der Organisation und Orientierungshilfe.

Sie ist gestalthaft. Sie zeichnet in der Welt existierende Strukturen von den Beziehungen der Denkweisen und ihren Sozialgefügen nach. Diese Strukturen werden dann von einem Teil ihrer selbst (einem Institut/Institutsgefüge) noch einmal abgebildet und untersucht.

Ich stelle mir vor, die Gehirne der Menschen entwickeln sich von klein auf wie Computerprogramme, die verschiedenen Zwecken dienen sollen. Je nachdem, was der Mensch selbst vorhat und was von ihm verlangt wird, wird er verschiedene Prioritäten setzen und seine Mechanismen verschieden koppeln. Deshalb brauchen die Menschen zum Lösen von Aufgaben verschieden lang. Manche Gehirne müssen einen großen Umweg machen, weil sie zur schnellen Lösung von ganz anderen Problemen geeignet sind. Selbst wenn die Zentren bei allen gleich vorhanden sind, so sind sie doch sehr verschieden gekoppelt. Man könnte verschiedene Koppelungsmuster erkennen. In buddhistischen Lehren entspricht das Muster der Energiebahnen, die einen Menschen durchziehen, einem philosophischen System und einem Mandala. Es gibt viele verschiedene Systeme und Mandalas. Man konzentriert sich auf eine bestimmte Kombination von Zentren, und der Fluß der Energiebahnen wird sich verschieden entwickeln. In der Folge auch das Denken und das praktische Leben. Man legt sich ein System an wie ein Kleid. Keines dieser Systeme ist wahr, ausschließlich und einzig, aber in ihrer Kombinaton können sie vielleicht nicht arbeiten.

Die Künstler arbeiten momentan sehr frei, die Autonomiegedanken haben die Kunst in diese Richtung beschnitten. Wahrscheinlich ist die freie Meditation anstelle des Christentums getreten. Kirche und weltliche Geldgeber sind für diesen Gedankengang unwichtig. Die Freiheit in der Formulierung der Frage nach Ziel und Grund der menschlichen Existenz und in den Vorgangsweisen der Bewältigung hin bis zur unbelasteten materialistischen Existenz hat wahrscheinlich eine derartige Vielzahl von Formen, Vorgangsweisen und Materialien möglich gemacht. Einige Themen der Identität von Kunst sind angerissen, die meisten sind unreflektiert und dieselben wie seit alter Zeit. Der langsame Umformungsprozeß von der gelenkten zur freien Meditation deckt fortlaufend neue sich wandelnde Elemente auf, die reflektiert und bewußt gemacht werden. Es ist ein Experimentierfeld geblieben, das gesamt gesehen Formen von Denksystemen freilegen könnte, die Künstler sind Bastler von Denksystemmodellen, die verschieden bewußt und verschieden eng, verschiedenartig an die Formen gebunden unter der Haut der Oberfläche liegen. Im Anschauen und Verstehen wollen von Kunst etwickelt man unter anderem ein Denken, das diese Systeme und Bindungen explizit machen will. Die verschiedenen Künstler/Kunstforscher legen verschiedene Bereiche oder Randbereiche der Kunst lahm, um andere besser untersuchen zu können. Das führt zu neuen Verschiedenartigkeiten zweiter Art, die oft zu ähnlichen Formen führen, usw. Die sehr verschiedenen, knapp nebeneinander gehandelten und oft sprachlich nicht reflektierten und entgegen dem eigenen Willen anhaftenden Themengebiete können zu Streitigkeiten führen, oder zu einem Nonsensgefühl für das Fremde.

Durch den erhalten gebliebenen Anspruch der Autonomie, der Meditation und des Ganzheitlichen, das zu Formen führt, ist dieses Denken nur ein Teilbereich der Kunst als Meditation, der jetzt sichtbar wird. Man sollte ihm nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Wert geben. Viele weigern sich, ihn anzunehmen, um sich in der Illusion ihrer Universalität zu wiegen, oder in sie zu kommen. Dabei kann eine Selbstlokalisierung den Subjektivismus, den ein Künstler aus Gründen des Ganzheitlichen oft aufrechterhalten will, eher schützen als angreifen.

Mit einem Bewußtsein der Pluralität von funktionierenden Systemen, die verschiedenen Zwecken dienen, könnte man freier denken und kommunizieren, je ausgeprägter dieses Bewußtsein wäre, desto mehr könnte es vereinfachen. Man würde miteinander in Austausch treten ohne Trauer und schlechtem Gewissen wegen Bereichen, die man versäumt, oder ohne andere zu verachten. Diese Veränderung des menschlichen Denkprogramms kann über praktische Übung, nicht über lesen allein funktionieren, und sie realisiert sich wahrscheinlich nur, wenn sie als ein Strom (bzw. Momentaufnahme,bewußter Querschnitt eines Stromes) in der Entwicklung der Gesamteinheit unseres Lebens notwendig ist, oder ein Raum für sie frei wird, so ähnlich wie sich die jetzige Kunstform der freien Handlung entwickeln konnte. Wenn sie eine natürliche Konsequenz der Entwicklung der Kunst bis hierher ist, wird sie uns allen mit der Zeit bewußt werden, über Werke wie dieses und andere. Ich gehe von der Annahme aus, daß alles, was sich bis jetzt realisiert hat, notwendig für die Erhaltung eines Gleichgewichts war, daß kräftige unbewußte Ströme einer nur im Gesamtzusammenhang verständlichen Notwendigkeit folgen. Daß deshalb eine Begründung oder Erklärung z.B. der Entwicklung der Kunst bis hierher nur als ein Arbeitsergebnis innerhalb eines bearbeiteten Themengebiets gesehen werden darf, und niemals als den stattfindenden Entwicklungstendenzen genügend. Man würde ein Themengebiet innerhalb einer Tendenz zum Alleinherrscher erheben. Solche monokausale Denkweisen zu sprengen kann dieses dem Stattfindenden untergelegte Pluralitäts-Raster und Bild der stattfindenden Gleichzeitigkeit helfen, wenn man es richtig benützt.

Selbst wenn alle Kombinationen von möglichen Zuständen und Bewegungsarten des menschlichen pysischen und psychischen Systems in dem Pluralitäts Raster und Bewußtseins Bild enthalten sind, auch wenn es versuchen wird, sich in Medien des Ausdrucks - auf der Ebene von Ausdruck bis Forschung, und durch permanente Selbstlokalisierung und Hinterfragung räumlich auszudehnen, handelt es sich, durch seine (bis auf null reduzierbare) Absicht, nur um ein Thema und einen Weg und nicht um die Gesamtheit lebendiger Kunst. Es sei für die mögliche Kunsttheorie soviel wie eine Linie für eine Fläche, und für die Kunst so viel wie eine Linie im Raum. Trotzdem wären in meiner Vorstellung alle möglichen heutigen Denk- und Kunstformen mitsamt ihrer eigenen möglichst entsprechenden Begründung oder was immer sie benötigen und ihren eigenen selbst entstandenen Organisations- und Bewegungsformen darin enthalten und zueinander in Beziehung gesetzt. Das Beziehungsgefüge würde mit der Zeit ein Orientierungssystem bilden, das es bis heute noch nicht gibt, und das uns sicher auch in anderen, weniger zweckfreien Disziplinen nützlich wäre. Es würde praktisch entstehen und in unser Bewußtsein eingehen. Ich bin mir ziemlich sicher, daß diese Gedanken in einem für unsere Entwicklung notwendigen Strom liegen müssen, und ein anschauliches Beispiel in einer anderen Größenordnung, das benützt wird, könnte sie weiter bewußt machen. Selbst wenn es aber benützt wird und notwendig wird für die Kunst, möchte ich es im Zusammenhang zur Gedankenwelt seiner Entstehung vor dem Hintergrund der Kunst als autonomes Kunstwerk sehen. Zwar wird auch die Autonomie und Zweckfreiheit der Kunst in Frage gestellt durch ihre fortgesetzte Hinterfragung, aber das ist nur ein weiterer Schritt in dieselbe Richtung. Es ist mir auch ein wichtiger Gedanke, ein Kunstwerk zu schaffen, das kein abgeschlossenes Werk ist, das in Bezug zur Kunst steht, und das sich in seinen Bewegungsformen aus sich selbst heraus entwickelt. Es sollte sich in allen Details aus sich selbst heraus und seiner Pluralität entsprechend entwickeln können, auch die Zeit sollte nur die Rolle des Bewußtwerdens der Geschwindigkeit und Geschwindigkeitsbrüche von Entwicklungen haben. Indem ich die IKKF als Konzept ein Kunstwerk nenne, möchte ich ihr die größtmögliche Freiheit der Möglichkeiten öffnen. Ich möchte dazu anregen, sie als Bild der Pluralität anzusehen und als Plan der Pluralität zu benützen. Der Benützer der IKKF ist ihr MItarbeiter, ihr Autor und Erweiterer.



Maria Rauch, Wien, Februar 1991