Begriffe:



Eine innere Stimme sagt mir, als eine Art Kritik: "Die Institutionalisierung der Kunstforschung als Kunst als Kunstforschung ist seitenverkehrt."



abstrakt: mehr die Beziehungen betreffend, als Begriffe, Gegenstände. Beziehungen können auch zeitlich, Prozesse, Funktionen, Melodien sein. Beziehungen von mir zu einem Inhalt, oder von Inhalten zueinander. Sobald diese Beziehung einen Inhalt transportiert, ist sie nicht mehr abstrakt, denn ein Inhalt wird als abgegrenzter Körper gesehen. abstrakt: nicht einen Inhalt betreffend. Kann aber indirekt einen Inhalt transportieren. Dieser Teil ist dann nicht mehr abstrakt. Wenn es in einer Kunst mehr um die Beziehungen zwischen Gegenständen geht, als um sie selbst, kann man sie abstrakt nennen. Kunst, wenn es um ihren Erlös geht, ist nicht abstrakt. Der Schwerpunkt kann dauernd vom Inneren der Gegenstände bzw. des Kunstwerks und seines Gegenparts, z.B. des Geldes, und den dazwischen liegenden Beziehungen hin und herspringen. Die Beziehung wird sich mit der Zeit mit Inhalt aufladen. Wenn sie nicht inhaltlich wird, kann sie sich nur auf eine größere Beziehung beziehen. Je abstrakter man ist, desto eher ist man fähig, einen Gesamtzusammenhang wahrzunehmen. Ob es sich um eine abstrakte oder gegenständliche Handlung handelt, ist von außen nicht sichtbar. Abstrakte Kunst: Kunst ohne emotionale Bindung an Inhalte.

Eine anderer Sinn der Kunst: Nicht betrachten, beurteilen, interpretieren, verstehen, erkennen, kaufen, verkaufen, lieben..., sondern von ihr beeinflußt werden, von ihrer Funktionsweise wie von ihrer Wirkung. Eine Veränderung der Struktur in die Richtung, daß alle, nicht nur eine Käufer und Kuratorenelite direkten Kontakt zu Kunst bekommen, die (Neben)Bedeutungen der (leeren) Formen lange und gründlich, mit Hilfe des Künstlers und anderen Texten und Werken erforschen können. Man übt Respekt vor dem Fremden, aber auch, lange nichts zu wissen. Mit der Zeit wird sich die Kunst verändern, andere Leute werden Künstler, die Kunst wird zu einem Übertragungsmedium ganzheitlicher Vorgangsweisen. Veränderung der Struktur in der Richtung, daß die Kunst als ethische Wirkungsmöglichkeit erkannt wird. Das wird sein, wenn die zweite Wirkungsart aller Dinge bekannt wird.

Die Funktionsweise von Kunst: Permanentes Bewußtsein ist permanentes ästhetisches Bewußtsein, permanenter Bezug zu den Sinnen, wenn man auch die inneren Gehirnfunktionen, das Denken, Träumen als Sinne versteht. Auch: Meditation. Alle Gewohnheiten hinterlassen Spuren. Jede Handlung hat zwei Wirkungen, eine, die unserem Denksystem entspricht, und eine direkte, die unter anderem die genauen Abstände von Formen bestimmt, für die es in unsererm Sprachsystem keine Entsprechung gibt. Diese direkte Wirkungsweise ist abhängig von der Gesamtverfassung eines Menschen, die jeden Moment die bewußten und unbewußten Entscheidungen und Reaktionen in allen Feinabstimmungen und Größenordnungen steuert. So haben große Entscheidungen, z.B. die, monochrom zu malen, oder die, auf See zu gehen, einen direkten Grund und eine direkte Wirkung neben den uns geläufigen Gründen und Wirkungen. Dinge und Momente, auf die wir mit unserem, auf die rationalen Wirkungen bezogenen und unter diesen Verbindungen knüpfenden Geist kaum achten, die er auslaßt, können eine gleich starke Wirkung haben wie für unser normales Denken wichtige Momente. Die Wirkung gehorcht einem Gesetz, das von den äußeren Gegebenheiten relativ unabhängig ist, es geht darum, wie wir etwas verarbeiten. Man kann, wenn man diesen Bereich einbeziehen will, sagen, diese direkte Wirkung wird in der Aura gespeichert. Sie wirkt aber von der Aura aus so direkt in unser physisches Leben, daß man es auch beim Physischen belassen und sagen kann, sie wirkt sich auf die Form aus. Vermutlich hat sie auch im Gehirn einen Niederschlag. Wir auratisieren jeden Gegenstand, mit dem wir zu tun haben, so wie wir ihn auch sichtbar prägen, minimal bis sehr stark. Für die Gesamtwahrnehmung ist es nicht notwendig, das zu unterscheiden. Es gibt aber verschiedene mögliche Wege der Untersuchung. Ebenso wie die Gegenstände prägen wir unsere Mitmenschen, und es finden unbewußte Beeinflussungen statt. Ideen werden oft nicht gestohlen, sondern ganz natürlich übernommen. In diesem ganzheitlichen Bild ist jeder nur Teil eines Ganzen, und ob der Teil man selbst oder der Teil ein anderer eine Idee ausführt, ist nicht wichtig, die Idee kommt auf irgendeine Weise zur Ausführung. Oft wird sie verdreht und in ihrem Sinn sogar umgedreht durch den anderen, aber man kann sich zu seiner Erleichterung entweder denken, dann muß ich es doch selbst noch einmal machen, oder, es hätte sich in einer späteren Phase der Verständnisses bei den anderen wahrscheinlich ebenfalls umgedreht, der Fehler liegt vielleicht tiefer innen in der Idee. Die Idee hat man nicht besessen, man hat sich höchstens verantwortlich für ihre Umsetzung gefühlt.

Institutionalisierung/Institut: Es liegt im Wesen der IKKF, vielgestaltig zu sein. Deshalb kann ich, wenn ich von ihr spreche, nur einen Teil ausbauen, den ich selbst verwirklichen möchte. Ich habe aber mehr Bereiche und verschiedene ihnen entsprechende Vorgangsweisen im Kopf, als ich fähig wäre, zu verwirklichen. So habe ich eine Vorstellung, neben anderen Vorstellungen, von einer ganz privaten Verbindung, einem Briefkontakt zwischen Personen, der nur dann stattfindet, wenn sie sich etwas zu sagen haben. Dieser Briefkontakt kann man bereits als eine Korrespondenz von zwei Instituten sehen. Ebenso wie den Begriff Forschung, möchte ich auch den Begriff Institut so weit verstanden wissen, daß er sich sozusagen unendlich gegen Null annähern kann.

Forschung: jedes Erlebnis, jede Erfahrung löst im Erfahrenden verschiedene Reaktionen aus. Diese Reaktionen können aus Zustimmung oder Ablehnung bestehen, Sehnsucht, Neid, Freude etc. Der aufnahmefähigste Geist ist der offene Geist, der jede Reaktion zulässt und sich auch dieser Reaktion gegenüber wieder offen verhält. Dieses grundlegende Offen sein ist sehr schwer zu erreichen, große Yogis meditieren während ihrer ganzen Lebenszeit um es zu erreichen. Eine grundlegend offene, ständig und allem gegenüber leicht forschende Ausrichtung des Geistes kommt nahe an sie heran.

Kunstforschung: Forschung wie oben beschrieben, die sich mit Kunst beschäftigt. Sie beinhaltet auch die bestehende Kunstwissenschaft.

Kunst als Kunstforschung: Zusammenfassung aller denkbaren künstlerischen Methoden der Kunstforschung. Wenn unser Denken sich an das plurale Methodensystem gewöhnt, sieht es auch die Schulwissenschaft als eine der vielen Möglichkeiten geistiger Methode. Es sei jedem freigestellt, die wissenschaftliche Kunstforschung zur Kunst als Kunstforschung dazuzuzählen oder nicht.

Kunst als Forschung: Künstlerische Methoden der Forschung, umfasst sämtliche Wissenschaften, auch nicht Bestehende. Schwerpunkt auf selbst definierten Vorgangsweisen, Gründen oder Zielen.

Inhalt und Organisation:
A. Organisatorischer Teil mit Schwerpunkt auf Kommunikation und Abbildung der Zusammenhänge, Überlagerungen und Brüche (innerhalb eines überschaubaren Systems kann man ein kleines Problem lösen , es kann aber modellhaft sein)
B. Teil inhaltlicher Detailforschung, persönlicher Forschung



Maria Rauch, Wien, Februar 1991