ikkf - die institutionalisierung der kunstforschung als kunst als kunstforschung.
vorwort von 2010

Kunst als Kunst ist nichts als Kunst, und alles andere ist alles andere.
Ad Reinhardt

1991, während dem Schreiben der folgenden Texte entstand der name kooio, Koordinationsinstiut für Inhalt und Organisation. Die Idee zur ikkf entstand im Schreiben. Am Beginn des Schreibens stand der Wunsch, mir Luft zu machen und einen Ausweg zu finden für mich als Künstlerin, nachdem ich zwei Jahre lang in mehreren Galerien in Wien mitgearbeitet hatte. Ich hatte zu dieser Zeit keine Lust, im bestehenden Kunstsystem Künstlerin zu werden. Wenn ich Künstlerin werden wollte, dann in Zusammenhang mit der Veränderung und Umarbeitung dieses Systems. So entstand dieser etwas größenwahnsinnige Text.

Aber die ikkf ist nicht nur eine Utopie, sie beschreibt von Anfang an auch etwas Bestehendes. Sie holt einen Aspekt ins Bewusstsein, der in der Kunst immer da war. Seit 1990 ist dieser Aspekt nicht nur in mein Bewusstsein getreten. Die Kunstentwicklung hat einen ähnlichen Verlauf genommen, wie er in diesen Texten beschrieben ist. Umso klarer wird, dass die ikkf nicht mein Projekt ist, sondern ein Arbeitstitel, ein Modell, das etwas ins Bewusstsein ruft, was geschieht und geschehen könnte. Mein Projekt könnte sein, ein solches Modell zu konkretisieren. Dieses Projekt würde nicht ikkf heißen, denn sie ist sozusagen der große Hintergrund. Ich realisiere momentan in der Mariahilfstraße und mit www.kooio.net einen speziellen, mir liegenden und an Zeit und Ort sinnvollen Teilaspekt, der kooio heißt, aber auch anders heißen könnte.

Die Texte sind entstanden, bevor ich das Internet gekannt habe. Nachdem sich diese neuen Möglichkeiten eröffneten, war mir klar, dass sich damit ideale Bedingungen für eine Konkretisierung der Idee boten. 1994 bekam ich über den Verein Transit eine Förderung zugesagt. Leider löste sich der Verein dann auf und sie konnte niemals ausbezahlt werden. Aber nicht nur die Finanzierung brachte das Projekt ins Stocken.

Ich hatte in meinem Text von Anfang an Schwierigkeiten, Worte zu finden für das, was ich differenzieren wollte. Ich sponn den Faden von Ad Reinhardts Kunst als Kunst als Kunst und Donals Judds Kunst als Idee als Idee weiter, und entwickelte Forschung als Kunst als Forschung, Kunstforschung als Kunst als Kunstforschung, usw. Die Begriffe Forschung, Institut, Methode usw. definierte ich für meinen Gebrauch etwas um und erweiterte ihren Sprachgebrauch.

Obwohl die Begriffe für den Leser hinreichend erklärt sind, versteht jemand, der noch nie von der Sache gehört hat, etwas anderes und hat auch andere emotionale Reaktionen. Meine eigenen emotionalen Reaktionen ließen mich nachempfinden, dass die Begriffe Forschung und Institutionalisierung viel zu hart und wissenschaftlich für viele Künstler waren und gerade den Aspekt nicht transportierten, der mir besonders wichtig war: die Pluralität der - schon wieder ein missverständlicher Begriff - Methoden. Denn unter Methode oder Organisation verstehe ich auch Lebensart, Seinsweise, künstlerisches Selbstverständnis und unbewusste, nie hinterfragte künstlerische Impulse, jeweils in ihrer Eigenart.

Ein wichtiger Punkt für die Realisierung der (konkreten, modellhaften Form der) ikkf war von Anfang an, dass sie sich natürlich und der Notwendigkeit entsprechend entwickeln kann. Die größte Gefahr ist, dass man zu viel tut, dass man den Erfolg oder ein Ergebnis sucht und darüber den Tiefgang des echten Gehalts verliert. Ich ließ das Konzept ruhen und keimen. Die Vernetzung (die Institutionalisierung) ist nur tragfähig und echt, wenn die sich vernetzenden Institute in Seinsweise und Selbstverständnis (Methode) wirklich etwas miteinander anfangen können.

In der Zeit des Internet plante ich einen großen Textwald aus Zitaten und Texten rund um diese Grundtexte, der sich sinnvoll verlinkt und verankert, und der die Grundaussagen der Texte untermauert und historisch begründet. Diese Arbeit steht noch bis heute an. Es sind vor allem Originaltexte von Künstlern, wie Kandinsky, Ad Reinhardt, Carl Andre, Andre Breton, Sol le Witt, Daniel Buren, Willi Baumeister, Oswald Oberhuber, Johannes Stüttgen zu Joseph Beuys, und Texte zur Methode wie Wolfgang Welsch, Thomas Lehnerer, Michael Lingner. Ein wichtiger Link, der noch fehlt, ist zu einer entspechenden Textstelle von Robert Musils Mann ohne Eigenschaften, die das "Generalsekretariat für Genauigkeit und Seele, zur Vereinigung von Seele und Wirtschaft" beschreibt. Dieses Projekt, eine "Parallelaktion", die im Roman in Wien kurz vor dem 1. Weltkrieg geplant wurde, hat auf eine sehr humoristische Weise viel Ähnlichkeit mit der ikkf.

Der labyrinthische Wald sollte sich in einer Weise öffnen, dass Internetbesucher Texte verlinken oder zur Verlinkung vorschlagen können. Dieser theoretische Texwald wäre ein Institut. Zusätzlich gäbe es die Möglichkeit, Institute zu gründen. Das Ziel wäre eine fruchtbringende Zusammenarbeit verschiedener Institute, die sich nach noch nicht vorstellbaren Kategorien finden würden. Die Kategorien wüden jedenfalls teilweise Aufschluss geben über Methoden und Organisationsformen der Kunst, und ein Bild der verschiedenen Kunst-Methoden (in der erweiterten Form des Begriffs) würde sichtbar werden. Das wäre das nächste ZIel.

Die ersten beiden Texte wollte ich möglichst kurz halten, weil ich wusste, dass die meisten Menschen lange Texte verabscheuen. Ich überarbeitete sie oft und sie wurden immer komplizierter statt verständlicher. Schließlich reichte es mir und ich schrieb alle weiteren Texte nieder, ohne sie jemals zu überarbeiten. Wenn ich damit beginnen würde, müsste ich alles neu schreiben. Sie stehen, sogar noch mit den animierten buttons von 1994 (made in ty1) in genau der gleichen Form wie damals im Internet. Einige wenige Links am Anfang, die zu Texten von Kandinsky führen, sind der damals an dieser Stelle eingeschlafene Beginn des Textwaldes.

Obwohl ich mich so viel mit der künstlerischen Methode und ihrer erlaubten Eigenart beschäftige, fällt es mir sehr schwer, zu der meinen zu stehen.

(Maria Rauch, Juli 2010)

 

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